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Der frühe Vogel fängt nicht immer den richtigen Wurm
Toshiba-Konzernchef Atsutoshi Nishida gab vor einer Woche den endgültigen Ausstieg des japanischen Elektronik-Konzerns aus dem Geschäft mit der HD DVD (High Density Digital Versatile Disc) bekannt und beendet damit den Streit um das Nachfolge-Format der DVD zugunsten der Blu-ray-Disc (BD). Wer auf das HD-DVD-Format gesetzt hat, kann sich nun endlich in die Gefühlslage von Sonys Betamax- und Grundigs Video-2000-Kunden am Anfang der 1980er Jahre hineinversetzen, als ein ähnlicher Formatstreit bei den Videokassetten zugunsten des VHS-Formats von JVC endete. HD-DVD-Kunden bleibt zumindest noch der Trost, dass angesichts der aufkommenden Internet-basierten Video-on-Demand-Techniken vielleicht bald auch das Blu-ray-Format zum alten Eisen gehört.
Obwohl Toshiba den Besitzern seiner HD-DVD-Geräte weiterhin den vollen Kundenservice zusichert, mag dies die Betroffenen kaum über den Entscheid des Elektronik-Konzerns, die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von HD-DVD-Geräten ad acta zu legen, hinwegtrösten. Toshibas Ausstieg aus dem Geschäft mit der HD DVD bedeutet auch das Ende des HD-DVD-Formats, zumal es über alle Jahre hinweg dessen grösste antreibende Kraft war. Ganz überraschend kam dieser Ausstieg jedoch nicht. Denn bereits Anfang des Jahres hatte Hollywood-Schwergewicht Warner Bros. Angekündigt, seine Filme ab Mai nicht mehr auf HD DVD anzubieten. Als dann auf Warner Bros. Ankündigung ebenfalls grosse Teile des Handels vermehrt das HD-DVD-Format fallen liessen, wie etwa die weltgrösste amerikanische Einzelhandelskette Wal-Mart Mitte Februar, war der Ausstieg Toshibas aus dem HD-DVD-Geschäft im Grunde genommen nur noch eine Frage der Zeit. Nach Toshibas Ankündigung gaben kurze Zeit später auch Paramount und Universal, die beiden letzten grossen noch im HD-DVD-Lager verbliebenen Hollywood-Studios, ihren Wechsel ins Blu-ray-Lager bekannt. Besitzer eines HD-DVD-Gerätes werden daher bald keine Filme mehr im Handel kaufen können. Wer dennoch seine HD-DVD-Sammlung erweitern möchte, muss dies in absehbarer Zeit wohl durch Käufe bei Online-Auktionen oder auf dem Flohmarkt tun. Für den Konsumenten bedeutet das Ende des Formatstreits aber, dass er nicht mehr zwischen zwei inkompatiblen Formaten wählen muss und dadurch ein kleineres Risiko eingeht, Geld für eine sich nicht durchsetzende Technik auszugeben.
Ein Duell ohne Sieger?
Ungeachtet wie der Formatstreit nun ausgegangen ist, für Bill Gates beispielsweise liegt die Zukunft des Filmtransportmediums nicht bei der Blu-ray-Disc oder HD DVD, sondern bei den Internet-basierten Video-on-Demand-Techniken. Denn Filme werden gemäss Gates zunehmend über Internet-Verbindung und nicht auf Scheiben transportiert, weshalb Microsoft auch bereits Filme in normaler und hochauflösender Qualität über seinen Online-Dienst Xbox 360 Live zur Ausleihe anbietet. Ein ähnliches Konzept des Filmverleihs verfolgt seit kurzem auch Apple mit seinem iTunes Store, da der angestrebte Verkauf von Filmen via Download aufgrund der sich querstellenden Hollywood-Studios sich nicht durchsetzen konnte. Bisweilen bleibt der von Steve Jobs an der diesjährigen MacWorld angekündigte Online-Filmverleihdienst, wo Filme ebenfalls in hochauflösender Qualität angeboten werden, aber nur auf den US-Markt begrenzt.
Angesichts der immer stärker aufkommenden Filmverleihdienste durch Unternehmen wie Microsoft oder Apple, der immer grösser werdenden Speicherkapazität von Festplatten, der eher stockenden Filmverkäufe auf den DVD-Nachfolge-Formaten Blu-ray und HD DVD sowie des erstmaligen Verkaufsrückgangs von Filmen auf herkömmlichen DVDs im Jahre 2007, der gemäss Zahlen der Digital Entertainment Group eine Umsatzeinbusse von 600 Millionen US-Dollar zum Vorjahr zur Folge hatte, mag die siegreiche Blu-ray-Disc als Transportmedium für Filme bereits in geraumer Zeit ausgedient haben. Ist daher nun die erkorene Siegerin im Streit um das Nachfolge-Format der herkömmlichen DVD nur eine vermeintliche Siegerin? Ist die Blu-ray-Disc bereits veraltet, noch bevor sie die Gunst des Publikums für sich gewinnen konnte? Fragen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt endgültig beantwortet werden können.
Einzelne Marktforscher führen jedenfalls die stockenden Filmverkäufe auf den DVD-Nachfolge-Formaten Blu-ray und HD DVD vorwiegend auf die durch den Formatstreit verursachte Verunsicherung der Konsumenten und deren grossen Zufriedenheit mit der herkömmlichen DVD zurück. Einen weiteren Grund der stockenden Verkäufe sehen sie im mit dem Umstieg bedingten Kauf eines neuen, grossen und hochauflösenden Fernsehers. Denn ohne einen solchen Fernseher, macht der Kauf eines Blu-ray-Geräts keinen Sinn. Ebenso entscheidend beim Umstieg aufs neue Format spielt die Preis- und Hardware-Entwicklung bei den Geräten und den Trägern. Bislang kostet nämlich ein Blu-ray-Player mit rund 1000 CHF schlicht zu viel damit sich das Format auch durchsetzen könnte. Dies erklärt auch weshalb Sonys 649 CHF teure Spielkonsole PS3 der meist-verkaufte Blu-ray-Player ist. Viele Analysten erwarten daher keine schnelle Ablösung der DVD durch die Blu-ray Disk. So schätzt etwa die Marktforschungsfirma Screen Digest für das Jahr 2011 den Verkauf von Filmen auf einer Blu-ray Disc auf ca. 560 Millionen, jenen auf herkömmlichen DVDs aber fast auf zwei Milliarden. Die herkömmliche DVD wird daher vielleicht nicht ganz so schnell wie erwartet aus unserem Alltag verschwinden.

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