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Getrübte Freude über höhere Speicherkapazität

Apple erweitert sein Sortiment um ein neues 32-GB-iPod-touch- und ein 16-GB-iPhone-Modell. Die neuen Modelle bieten neben der grösseren Speicherkapazität sonst aber keine technischen Veränderungen gegenüber den älteren Modellen. Dennoch mag so manch neuzeitlicher Jäger und Sammler über Apples neues Angebot mehr als nur erfreut sein, denn ein grösserer Stauraum für die gesammelten Lieder, Bilder, Filme oder sonstige Daten ist ihm doch immer willkommen. Seine Freude darüber wird aber wohl einen empfindlichen Dämpfer erhalten, sobald er den hohen Preis des iPod touchs im Apple Store sieht. Schweizer Kunden verdanken dies der SUISA und ihrem veralteten Gebührenmodell.

Gerüchte über eine Erhöhung der Speicherkapazität des iPhones und iPod touchs kursierten in den Internet-Foren und in der Online-Presse bereits lange, bevor Apple letzte Woche die neuen Modelle mit doppelter Speicherkapazität vorstellte. Hoffnung auf mehr Speicherplatz machten sich potenzielle iPod-touch-Käufer auch deshalb, weil das Unternehmen SanDisk erst kürzlich eine 32 GB grosse SDHC-Karte (Secure Digital High Capacity) und den neuen MP3-Player Sansa View mit 32 GB Flash-Speicher präsentierte. Potenzielle iPhone-Käufer erwarteten ihrerseits eine Erhöung der Speicherkapazität des iPhones unter anderem wegen der steigenden Konkurrenz durch andere Handy-Hersteller, die nun vermehrt auch Mobiltelefone mit Touchscreen anbieten. Doch auch in Bezug auf das kommende iPhone SDK (Software Development Kit) erwarteten einige Kunden, dass das iPhone bald über mehr Speicher verfügen wird, damit der Platz bei den daraus folgenden Applikationen nicht zu eng wird.

Mehr Speicher für mehr Geld
Das Warten auf eine Erhöhung der Speicherkapazität gingen einher mit der Hoffnung, dass nur die Speicherkapazität zunehme, nicht aber der Preis. Doch alles Hoffen half nichts. Das neue 32-GB- iPod-touch- und 16-GB-iPhone-Modell ersetzen nicht einfach ihre älteren Modelle, sondern erweitern nur das bestehende Sortiment um ein weiteres Modell. Der Kunde erhält somit nicht einfach mehr Speicherkapazität bei gleich bleibenden Preisen, sondern muss für die doppelte Speicherkapazität konsequenterweise auch mehr bezahlen. Eine entsprechende Preisreduktion der neuen Modelle könnte aber vielleicht bereits in einigen Monaten erfolgen, da Apple dies in der Vergangheit auch bereits beim iPhone tat. So kostete etwa das iPhone mit 4 GB beim US-Start zunächst 499 und jenes mit 8 GB 599 Dollars. Einige Monate danach wurde das 8-GB-Modell zu 399 Dollar verkauft und das 4-GB-Modell aus dem Sortiment genommen. Weil dies aber zu grosser Aufregung und Entrüstung bei vielen Kunden führte, die das iPhone erst kurz zuvor gekauft hatten, ist es daher mehr als fraglich, ob Apple wieder so verfahren wird oder doch mehr Zeit verstreichen lässt, bis es zu einer entsprechenden Preisreduktion beim 16-GB-Modell kommt. Erste Gerüchte auf 9to5Mac weisen aber darauf hin, dass Apple eine Preisreduktion ihrer neuen Top-Modelle um rund 100 Dollar in den nächsten Monaten anstrebt. Bei den iPods ging eine Preisreduktion der Modelle mit grösserer Speicherkapazität in der Regel mit der Einführung eines neu designten Modells einher, wie etwa jüngst beim iPod nano oder iPod classic zu sehen war.

Das neue iPod touch- und iPhone-Modell können in den USA jeweils für 499 Dollar gekauft werden. Kunden in Deutschland müssen für das neue 16-GB-iPhone-Modell 499 Euro und somit rund 158 Euro mehr bezahlen als, wenn sie es in den USA kaufen würden. Das 8-GB-Modell kostet wie bei seiner Einführung 399 Euro. Vertrieben werden beide Modelle mit einem Zweijahres-Vertrag über T-Mobile. In der Schweiz und in Österreich ist das iPhone noch immer nicht erhältlich, soll dort aber Gerüchten zufolge noch im März auf den Markt kommen. Der iPod touch mit 32 GB kostet in Deutschland und Österreich inklusive Mehrwertsteuer 459 Euro, also rund 146 Euro mehr als in den USA. Das 16-GB-iPod-touch-Modell ist weiterhin für 369 und jenes mit 8 GB für 279 Euro erhältlich. In der Schweiz sind die verschiedenen iPod-touch-Modelle trotz der in der EU darauf entfallenden hohen Mehrwertsteuer sogar noch etwas teurer.

Grosses Ärgenis für Schweizer iPod-touch-Käufer
Kunden in der Schweiz müssen für den neue iPod touch mit 32 GB insgesammt 839 CHF (ca. 508 Euro) hinblättern und somit sogar noch tiefer in die Tasche greifen als ihre angrenzenden Nachbarn in der EU. Schuld daran ist hauptsächlich die am 1. September 2007 von der Schweizer Rechteverwertungsgesellschaft SUISA (Pendant zur GEMA (DE) und AKM (Ö)) eingeführte und vom Bundesgericht gutgeheissene Urheberrechtsvergütung auf sämtliche ab diesem Zeitpunkt verkauften MP3-Player und Harddisk-Recorder. Diese Gebüren sind gemäss SUISA Leerträgervergütungen für das legale private kopieren im Freundes- und Bekanntenkreis. Gebühren, die die SUISA bereits seit 1992 auf Leerträger wie Leerkassetten, beschreibbare CDs und DVDs erhebt und im September letzten Jahres auf die MP3-Player und Harddisk-Recorder ausweitete. Die Einnahmen dieser Urheberrechtsvergütung sollen den Künstlern zugute kommen, indem sie mit den daraus resultierenden Einnahmen unterstützt werden. Das Problem ist jedoch, dass dieses Gebührenmodell bereits veraltet ist. Was auch erklärt, wieso einerseits MP3-fähige Mobiltelefone von diesen Gebühren ausgenommen sind und andererseits die Gebühren auf Festplatten mit Flash-Speicherchips pro GB massiv höher sind als auf den konventionellen magnetischen Festplatten. Damit Festplatten aber gebührenpflichtig werden, müssen sie in MP3-Playern oder Harddisk-Recorder eingebaut sein. PC-Festplatten sind somit von den Gebühren ausgenommen, auch wenn sie eigentlich den Hauptspeicherort der digitalen Musiksammlung bilden.

Betrugen die Gebühren anfänglich noch höchstens 40 CHF pro MP3-Player, sind diese jetzt beim neuen iPod-touch-Modell bei 164.65 CHF angelangt. Rund doppelt so hohe Gebühren wie sie beim 160-GB-Modell des iPod classics zu entrichten sind, das wiederum über die fünffache Speicherkapazität des iPod touchs verfügt. Der Grund dieses unlogischen Missverhältnisses ist, dass bei der flashbasierten Festplatte im iPod touch pro GB mehr Gebühren anfallen als bei der konventionellen magnetischen Festplatte im iPod classic. Eine Gebühr von 164.65 CHF bedeutet auch, dass der Kunde rund 20% des Kaufpreises des Gerätes an die SUISA für Lieder abgibt, die er wohl im Grossen und Ganzen bereits einmal bezahlt hat. Dass dieses Vorgehen der SUISA den Kunden aber eher dazu verleitet, Lieder nicht mehr zu kaufen, sondern sie nur mehr zu kopieren, ist mehr als verständlich und letzten Endes auch kontraprodkuktiv für die Künstler. Trotz der offenen Krititk seitens der Medien, von Jürg Stutz vom Branchenverband Swico oder vom Preisüberwacher Rudolf Strahm im September letzten Jahres, hält die SUISA an ihrem vom Bundesgericht abgesegneten Gebühren-Modell weiterhin eisern fest. Doch kommt nun die Abkehr?

Die hohen Abgaben verärgern aber nicht nur den Konsumenten, sondern auch Apple und andere Hersteller. Denn für viele potenzielle Käufer sind wohl 839 CHF selbst für Apples tragbaren Multiplayer mit Touchscreen, WLAN und einer Speicherkapazität von 32 GB einfach zu viel Geld. Sollte Apple nächstes Jahr ein iPod touch mit 64 GB herausgeben, müsste das Unternehmen den Kaufpreis des neuen Top-Modells nochmals um 330 CHF erhöhen, um damit die SUISA-Gebühren decken zu können. Zu diesem Schritt wäre Apple wohl nicht mehr bereit, und falls doch, sicher nicht mehr die Konsumenten. Neuverhandlungen mit der SUISA sind daher unabdingbar. Zumal dieses veraltete Gebührenmodell bis September 2009 in Kraft bleiben soll, sofern nichts unternommen wird.

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